mit der der Club nicht konform gehen konnte. Führend in der Oppo-  
sition gegen die Bundesleitung war der Segelclub Oberspree, dessen  
Vorgehen sich der JSC anschloß. Dieses damalige Schulter an Schul-  
ter kämpfen mit dem SCO führte zu einer innigen Verbindung beider  
Vereine, die sich trotz der weit auseinander liegenden Reviere bis auf  
den heutigen Tag erhalten hat. Mit dem SCO trat der JSC aus dem  
Bund. Schwer ¿el uns allen dieser Entschluß, jedoch blieb uns keine  
andere Wahl. Nachdem der JSC einige Monate ohne Anschluß an eine  
Organisation geblieben war, trat er im März 1926 dem Deutschen  
Segler-Verband bei. An der Spitze des Verbandes stand damals Ge-  
heimrat Dr.h.c. Professor Busley, eine Persönlichkeit, die weit über  
die Grenzen des Verbandes Achtung genoß und den deutschen Se-  
gelsport sehr gefördert hat. Er wandte sofort unserem in Verbands-  
kreisen noch fremden Club reges Interesse zu. Einen Ehrentag in  
der Geschichte des Clubs wird die Preisverteilung im November 1927  
bilden, zu der Geheimrat Busley mit den Herren Deter und Kapitän  
Weniger erschienen war. Persönlich überreichte er in seiner bekannt  
liebenswürdigen Weise unseren Siegern die Preise und hinterließ bei  
uns allen einen unvergeßlichen Eindruck. Wir sahen ihn damals zum  
letzten Male. Auf einer Weltreise, die er im Frühjahr 1928 trotz seines  
hohen Alters unternahm, ereilte ihn der Tod.  
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927  
Der JSC ließ es sich nicht nehmen, sogleich im Verbande eifrig mit-  
zuwirken. Er entsandte zu den Seglertagen in Berlin, München und  
Wien einen Vertreter und nahm auch alle Sitzungen des ständigen  
Ausschusses der Berliner Verbandsvereine wahr. Im Tegeler Revier  
schloß er sich an die Segler-Vereinigung Tegel und den Segelklub  
Frithjof an, die außer ihm in diesem Revier Verbandsvereine waren.  
Gemeinsame Wettfahrten festigten den Zusammenhang unter den 3  
Vereinen. Die alljährlich im Herbst veranstaltete Tegeler Woche zog  
zahlreiche Vertreter anderer Verbandsvereine heran.  
Der Joersfelder Stander wurde damals siegreich über alle Wettfahrten  
von der 20 qm Rennjolle „Magrefh“ getragen, zu deren Anschaffung  
für die Jugendabteilung des Clubs Kam. Kuke hochherzig anläßlich  
der Preisverteilung im November 1927 den größten Teil gestiftet  
hatte. Unter der bewährten Führung der Kameraden Leonhardt und  
Wenzig brachte die „Magrefh“ zahlreiche Preise nach Hause. Die Mit-  
gliederzahl war unterdessen stark gestiegen. Im Januar 1924 betrug  
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sie 125, um im Januar 1925 auf 110 und im Januar 1927 auf 86 zu  
sinken. Das Jahr 1927 bescherte dem Clubhaus einen neuen Anstrich  
und der Schuppen erhielt durch eine elektrische Lichtanlage eine er-  
höhte Gebrauchsfähigkeit.  
Am Horizont des Clubhimmels tauchte damals eine schwarze Wol-  
ke auf, die glücklicherweise schnell vorüberzog. Es handelte sich um  
das Projekt, vom Restaurant Leuchtturm in Tegelort nach Spandau-  
Rust eine Brücke zu schlagen. Eine solche hätte jedes größere segle-  
rische Leben unseres Clubs zum Erliegen gebracht und hätte ihm ein  
Weiterbestehen nur als Motorbootclub gestattet. Aber die fehlenden  
Mittel erlaubten schon damals die Verwirklichung dieses Planes nicht  
und wird es auf absehbare Zeit auch nicht tun.  
Durch die Notwendigkeit, eine auf dem Clubgrundstück ruhende Hy-  
pothek abzulösen, entstanden Schwierigkeiten in der Geldbeschaf-  
fung. Zwar wurde erreicht, daß die Stadt Berlin für eine neue Hypo-  
thek die Bürgschaft übernahm, jedoch konnte selbst daraufhin kein  
Geld zu annehmbaren Bedingungen aufgetrieben werden. Schließlich  
gab eine Versicherungsgesellschaft das Geld, aus dem neben der Ab-  
Malpertus“ im Hafen von  
Rönne (Bornholm)  
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lösung der Hypothek die Betonierung des Bootsschuppens bestritten  
wurde, womit ein langgehegter Wunsch der Bootseigener Erfüllung  
fand.  
Im Geschäftsjahr 1928 übernahm Kam. Gneomar Müller der Vorsitz.  
Schon damals machte sich die Verschlechterung der wirtschaftlichen  
Lage im Clubleben bemerkbar. Während sich der Mitgliederbestand  
noch auf der alten Höhe halten konnte, gingen die Einnahmen aus  
Beiträgen und aus dem Kasinobetrieb, hervorgerufen durch die Be-  
schäftigungslosigkeit zahlreicher Mitglieder, erheblich zurück. Auch  
im Bootsbestand zeigten sich verschiedene Lücken.  
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928  
Inzwischen erfuhr unser Klubheim durch eine Stiftung unserer Kam.  
Die neue Schifferstube nach der  
Renovierung  
Erich Kuke und Albert Buller, beide Ehrenmitglieder des JSC, eine  
wertvolle Bereicherung. Der Kellergastraum wurde zu einer richtigen  
holzgetäfelten Schifferstube umgewandelt und damit ein so behag-  
licher Raum geschaffen, daß in ihm stets Kameraden zu ¿nden sind,  
die hier männiglichen Umtrunk halten. Im Winter warme ZuÀucht, im  
Sommer kühlen Aufenthalt bietend, hat unsere Schifferstube manche  
gemütliche Stunde miterlebt, hat manchen Zecherkreis bis in den  
Morgen hinein tagen sehen und ist wohl der am meisten besuchte  
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Raum unseres Clubheimes. Jedoch auch die übrigen, insbesondere  
die oberen Räume wurden nicht vernachlässigt. In späteren Jahren  
vereinigte man die beiden Zimmer des 1. Stockwerkes zu einem und  
schuf damit einen kleinen, für intime Festlichkeiten, für Sitzungen  
und Kommerse gut geeigneten Saal, der eine Zierde unseres Hauses  
mit seiner geschmackvollen Ausstattung bildet. Auch in dieser Bezie-  
hung hat sich der JSC von fremden Räumlichkeiten und Lokalen frei-  
machen können. Im obersten Stockwerk wurde ein Vorstandszimmer  
und ein Schlafraum für Mitglieder und Gäste eingerichtet.  
Im September 1929 erhielt endlich unsere Jugendabteilung die An-  
erkennung des Deutschen Seg-  
ler-Verbandes und des Reichs-  
ausschusses für Leibesübungen.  
Damit waren einer weiteren  
Ausbreitung  
dieser  
Abteilung  
die Wege bereitet. Es muß stets  
Ehrenaufgabe eines Segelclubs  
sein, die Ausbildung des segle-  
rischen Nachwuchses zu pÀegen,  
dem Sport stets neue, frohe und  
freie Menschen zuzuführen, und  
sie zu echter Kameradschaft zu  
erziehen. Dieser Aufgabe ist sich  
der JSC immer bewußt gewesen.  
Leider mußten die Pläne auf einen  
großzügigeren Ausbau unserer  
Jugendabteilung noch zurück-  
gesteckt werden, da hierfür die Mittel und Persönlichkeiten fehlten.  
Neuerdings scheint sich jedoch eine Besserung durch die Aufnahme  
von Schülern des Werner-Siemens-Realgymnasiums anzubahnen,  
denen der Club für ihre Ruderriege Gastfreundschaft gewährt hat.  
Die Jugendabteilung  
Ein Zeichen der Zeit war es, daß ein Teil der Mitglieder dem teuren,  
ständig Neubauten erfordernden Rennsport den Rücken kehrte und  
sich der Wandersegelei zuwandte. Kam. Koenig rief eine Gruppe der  
Wandersegler ins Leben, die unter seiner Leitung zahlreiche Fahrten  
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in die nähere und weitere Umgebung unternahm. Auch früher waren  
schon von einzelnen Fahrzeugen größere Touren durchgeführt wor-  
den. So hatte sich Kam. Dehmel mit seiner Mannschaft auf dem Fünf-  
undsiebziger „Hansa IV“, Kam. Girschner auf „Sonnenkind“, Kam.  
Werk auf „Pandora“ und Kam. Schäffer auf „Tümmler“ Salzwasser um  
die Ohren spritzen lassen. Und jetzt führte Kam. Koenig den Joersfel-  
der Stander bis nach Kopenhagen. Daß trotzdem die Regattensegelei  
nicht zu kurz kam, dafür sorgten schon die Kameraden Leonhardt,  
Wenzig, Gabert, Schäffer, Beck und Gasde.  
Das Jahr 1929 stellte unseren Kameraden Willi Führer an die Spitze  
des Clubs, der schon jahrelang das Amt des 2. Vorsitzenden bekleidet  
hatte. Auch er trat wie sein Vorgänger Müller sein Amt nicht unter den  
besten Auspizien an. Das Hauptaugenmerk mußte darauf gerichtet  
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929  
Malpertus“ und „Reidun“ im Hafen  
von Sassnitz  
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werden, den Clubetat den augenblicklichen Verhältnissen anzupas-  
sen. Daß ihm dies zusammen mit einem sorgfältig zusammengesetz-  
ten Vorstand gelungen ist, beweist das unerschütterte Fortbestehen  
des Clubs bis auf den heutigen Tag.  
Einen stimmungsvollen Abschluß fand die Segelsaison 1929 mit  
einem Absegeln, das in Form einer Fuchsjagd veranstaltet wurde.  
Als Fuchs bei den Seglern diente die von Kam. Wenzig gesteuerte  
Magrefh“, die trotz eifrigen Suchens nicht gestellt werden konnte.  
Dagegen mußte sich der „Molch“, das Motorboot des Kam. Schobert,  
aufstöbern lassen. Das traditionelle Stiftungsfest 1929 wurde im glei-  
chen Rahmen wie 1928 mit einem Festessen und nachfolgendem Ball  
im Hotel Prinz Albrecht begangen.  
Im November 1929 mußte der Club das plötzliche Ableben eines sei-  
ner beliebtesten Mitglieder, des Kam. Willi Schreiber, betrauern. Ge-  
schlossen folgten wir seiner Bahre und legten Zeugnis von dem Ka-  
meradschaftsgefühl ab, das uns mit dem Verstorbenen verband.  
Kam. Schreiber hat es sich zu seinen Lebzeiten zur Aufgabe gesetzt,  
den Kriegsgefallenen des Clubs zu einem würdigen Ehrenmal zu ver-  
helfen. Eine von ihm ein geleitete Sammlung von Geldspenden hatte  
bereits namhafte Ergebnisse gezeitigt. Sein so jäh unterbrochenes  
Werk wurde in seinem Sinne dank der Opferwilligkeit vieler Kame-  
raden, besonders der Herren Kuke und Frei, zu Ende geführt und so  
konnte im Februar 1930 im Beisein befreundeter Vereine und vieler  
ehemaliger Kameraden ein Gedenkstein enthüllt werden, der auf ei-  
ner Bronzeplatte die Namen der gefallenen Kameraden trägt. Der  
Stein hat im hinteren Teile des Clubgartens einen ebenso würdigen  
wie stillen Platz gefunden.  
Die Segelsaison des Jahres 1930 sah den Club wieder auf allen Regat-  
ten des Verbandes. In vieler Erinnerung wird noch jene Herbstregatta  
auf dem Müggel sein, bei der der Sturm 3 Tage hintereinander wütete,  
schwere Fahrzeuge von den Bojen losriß und auf das Ufer als Wrack  
setzte. Bei dieser Regatta glänzte unser „Puck V“ des Kam. Gabert unter  
Leonhardts Führung, dem es als einzigem Boot seiner Klasse gelang,  
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die ganze Bahn zu absolvieren. Nach dem Bericht von Augenzeu-  
gen muß es ein wunderbares Bild gewesen sein, zu sehen, wie unser  
Puck“ halb aus dem Wasser herausgehoben die großen Boote über-  
holte und wie ein Àiegender Holländer durch die Wellen schoß. Eine  
von den Verbandsvereinen des Tegeler Reviers gemeinsam veran-  
staltete Preisverteilung beschloß  
die Saison. Trotz vieler widriger  
Umstände stand auch 1931 der  
Club sportlich seinen Mann. Wir  
beteiligten uns bei dem Kämp-  
fen um den Robert-Höfer-Erin-  
nerungspreis und bei dem Jubi-  
läumspreis des V.S.a.M. Wenn  
hierbei unsere Segler auch nicht  
als Sieger zurückkehrten, so  
waren sie doch in den vorders-  
ten Reihen zu ¿nden.  
Wenn 1930 schon als Krisenjahr  
im Clubleben zu bezeichnen  
war, so wurden die Verhältnisse  
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931 noch schlechter. Es war  
nicht leicht, das SchifÀein des  
JSC durch alle wirtschaftlichen  
Fährnisse glücklich hindurch-  
Herbstregatta“ auf der Müggel  
zusteuern. Die Beschränkungen, die der Einzelne sich auferlegen  
mußte, wirkten naturgemäß auf das Ganze zurück. Durch starke Ein-  
nahmeausfälle waren die Club¿nanzen auf das äußerste angespannt.  
An Rücklagen, Neuanschaffungen und Verbesserungen war nicht zu  
denken. Alle Kraft mußte darauf gerichtet werden, das Bestehende  
zu erhalten. Und doch ergaben sich zwangsläu¿g immer wieder neue,  
unvorhergesehene Ausgaben. Im Herbst 1930 mußte die von einer  
Zille beschädigte Slipanlage, soweit sie unter Wasser lag, neu verlegt  
werden. 1931 konnte die Erneuerung der übrigen Slipanlagen und die  
Anschaffung einer neuen Winde nicht länger hinausgeschoben wer-  
den. Auch im Deutschen Segler-Verbande machte sich die schlech-  
te Wirtschaftslage bemerkbar. Der für 1931 vorgesehene Seglertag  
mußte ausfallen.  
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930  
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Schwer traf den Club der Verlust von dreien seiner Mitglieder, die mit  
ihm eng verbunden waren. Im Mai 1931 ging nach schwerem Kran-  
kenlager Kam. Julius Schäffer an den Folgen eines Unfalls von uns.  
Im November folgte ihm unser Ehrenmitglied Felix Loesch, der zu den  
Gründern des Klubs gehört hatte. Und im Januar 1932 mußten wir  
Herrn Hermann Hille den letzten Gruß erweisen, der lange Jahre dem  
Club treu gedient hatte und erst kurz vor seinem Tode ausschied.  
Der Club hat nunmehr sein 25. Lebensjahr hinter sich. Als einer  
der äußersten Exponenten im nördlichen Segelrevier Berlins hat er  
schwer um seinen Aufbau ringen müssen. Aber er hat diese 25 Jahre  
lang bewiesen, daß er existenzberechtigt ist. Stolz kann er auf das  
bisher Erreichte zurückblicken und trotz aller Nöte und Fährnisse darf  
er mit Vertrauen in das zweite Vierteljahrhundert seines Lebens ein-  
treten. Mehr denn je stellt heute der alte Spruch „Mens sana in cor-  
pore sano“ eine Forderung dar, die zu verwirklichen dem Segelsport  
nicht in letzter Linie zugewiesen  
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932  
Jubiläumsfeier  
25 Jahre Joersfelder Segel-Club  
ist. Und so wollen wir unserem  
JSC zu seinem Jubeltage zurufen,  
daß er weiterhin unentwegt und  
treu die Aufgaben erfüllen möge,  
die er die ersten 25 Jahre seines  
Bestehens im deutschen Segel-  
sport erfüllt hat.  
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Das Vereinshaus zur Gründerzeit  
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Die Jahre 1933 bis 1945  
Ein Segelclub kann wie der Sport insgesamt nicht unberührt bleiben  
von den gesellschaftlichen Ereignissen, die um ihn herum statt¿nden.  
So war es auch 1933, als die Nationalsozialisten in Deutschland die  
Macht ergriffen. Die Gleichschaltung, die Hitler nach der Verabschie-  
dung des Ermächtigungsgesetzes im März 1933 vorantrieb, nahm  
auch die Sportbewegung in Deutschland in den Griff. Sport wurde im-  
mer mehr zur politisch verordneten Volksertüchtigung, zur Erziehung  
der Jugend – vor allem des männlichen Teils – zur Wehrfähigkeit. Die  
großen Sportverbände wurden diesem Ziele verpÀichtet, zur dessen  
Durchsetzung wurden „Führer“ an die Spitze der Verbände gestellt,  
die für die Realisierung der nationalsozialistischen Vorgaben zu sor-  
gen hatten. Der Deutsche Seglerverband existierte zwar noch, wurde  
aber dem „NS-Reichsbund für Leibeserziehung“ unterstellt. Der Ver-  
bandsführer war ein Oberstleutnant. Dies zeigt die enge VerÀechtung  
sportlicher und militärischer Ziele im „Dritten Reich“.  
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933 -  
945  
Im Clubleben machte sich diese Ausrichtung nach und nach konkret  
bemerkbar. Der Vorsitzende hatte jetzt „Vereinsführer“ zu heißen,  
die Jugendlichen hießen „Jungmannen“, die Versammlungen muss-  
ten mit dem „deutschen Gruß“ beendet werden. Das Amt des „Diet-  
warts“ wurde verpÀichtend eingeführt. Er hatte dafür zu sorgen, dass  
die Versammlungen in „völkischer Haltung“ über die Bühne gingen  
und die „richtigen“ Lieder ge-  
Slippen ist geschafft!“  
sungen wurden. Deshalb gab  
es bei Clubversammlungen im-  
mer den Tagesordnungspunkt  
„Völkische Aussprache“. Im Jo-  
ersfelder Segel-Club hielt sich  
diese „völkische“ Erziehung in  
Grenzen. In den Protokollen der  
Versammlungen aus jener Zeit  
ist meist vermerkt, dass der Ta-  
gespunkt entfallen müsse, weil  
der Dietwart nicht erschienen  
war. Jugendmitglieder des Clubs  
mussten der Hitlerjugend ange-  
hören. Jugendliche Segler wähl-  
ten damals oft die Marine-HJ,  
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weil sie dann im Dienst immer noch die Möglichkeit hatten, ihrem  
Hobby zu frönen. Männliche Mitglieder im wehrfähigen Alter wurden  
zum Militärdienst eingezogen und kämpften ab 1939 an der Front.  
Der JSC schickte seinen Soldaten Feldpostpäckchen, um ihnen das  
Leben an der Front zu erleichtern und ihnen ein Stück Heimatgefühl  
zu vermitteln. Die Feldpostbriefe der Kameraden wurden bei den Mit-  
gliederversammlungen verlesen.  
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938 wurden vorübergehend Sudentendeutsche im Clubhaus einquar-  
Schärenkreuzer R 39  
des Kameraden L. Kluge  
tiert. Sie waren wegen der Zuspitzung der ethnischen Auseinander-  
setzungen in der Tschechoslowakei ins „Reich“ umgesiedelt worden.  
Clubmitglieder beschwerten sich über sie, weil sie es anscheinend mit  
fremdem Eigentum nicht so genau nahmen.  
Im Oktober 1939 stellte der Joersfelder Segel-Club seine Räume dem  
Bezirksamt zur Verfügung, um darin ein Kinderheim einzurichten.  
Da viele Familien durch den Kriegseinsatz der Väter und die Arbeits-  
pÀicht der Mütter auseinander gerissen waren, wurden Kinder oft in  
Heimen untergebracht, wo sie natürlich die „nationale“ Erziehung  
des Staates erhielten.  
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940 wurde dem JSC eine Einheitssatzung verordnet - gültig für alle  
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Sportvereine. Darin war festgelegt, dass alle Abstimmungen nur noch  
einstimmig“ zu erfolgen hatten. Gleichschaltung auf Clubebene. Das  
NS-Regime verordnete, dass während des Krieges keine Neuwahl des  
Vereinsführers“ erfolgen durfte. Auch alle anderen Mitglieder, die ein  
Amt ausübten, mussten auf ihrem „Posten“ bleiben.  
Das Clubleben war während der NS-Zeit sehr stark durch die Maß-  
nahmen zur „Wehrertüchtigung“ bestimmt. Diesem Zweck dienten  
auch die „P¿ngsttage der deutschen Leibesübungen“. So wurden die  
Segler im Bezirk Tegel 1942 durch den Bezirkswettfahrtobmann auf-  
gefordert, an der „Propagandafahrt“ der Boote von der Strandpro-  
menade in Tegel bis nach Havelgemünd teilzunehmen. Die Fahrt hat-  
te als Geschwaderfahrt im Kielwasser des Flaggschiffes zu erfolgen.  
Sehr beliebt scheint diese Zwangsveranstaltung nicht gewesen zu  
sein, weil der Obmann in seinem Rundschreiben die Clubs eindring-  
lich ermahnt, die Fahrt ja nicht vorzeitig zu beenden.  
Ein wichtiger Bestandteil der Gleichschaltung der Nazis war die so  
genannte Arisierung. Auch Sportvereine blieben davon nicht ver-  
schont. Ab 1937 sollten jüdische Mitglieder ausgeschlossen werden,  
um eine homogen „arische“ Mitgliedschaft zu garantieren. Die Haken-  
kreuzfahne durfte nicht mehr auf Booten gehisst werden, auf denen  
sich ein jüdischer Segler befand. In den Unterlagen des JSC ¿ndet  
sich ein Brief, der zeigt, wie die Ausgrenzung der Juden begann. Der  
JSC-Kamerad Helmut Diederich beteiligte sich 1938 mit seinem See-  
fahrtkreuzer „Elvira III“ am „Fahrtenwettbewerb See“ des Deutschen  
Segler-Verbandes. Aufgrund seiner herausragenden Leistung hätte  
ihm ein Preis gebührt. Der Verbandsführer des Deutschen Seglerver-  
bandes, Oberstleutnant a. D. Kewisch, teilte ihm jedoch mit, dass er  
trotz der „Spitzenleistung“ keinen Preis bekommen könne, weil seine  
Frau Jüdin sei. Der Kamerad Diederich nahm diesen Vorfall zum An-  
lass, Deutschland 1939 zu verlassen und in die USA zu emigrieren.  
Von dort aus blieb er bis in die 1990er Jahre mit dem Kameraden  
Werner Richter in Verbindung und schwärmte in seinen Briefen von  
den „stürmischen Regatten“ seiner Seglerzeit und von der Gesellig-  
keit im JSC.  
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Wie sah unter den Bedingungen der Gleichschaltung und während  
des Krieges das Clubleben aus? Es wurde immer noch gesegelt, ge-  
feiert und das gesellige Leben gepÀegt. Im Oktober 1938 fand eine  
„Herrenpartie“ statt, ein BusausÀug zum befreundeten Ruppiner Se-  
gel-Club. Dabei ging es, wenn man dem Bericht eines Kameraden  
glauben darf, feucht-fröhlich zu. Die Versorgungslage der Bevölke-  
rung war, weil die Wirtschaft schon auf den Krieg ausgerichtet war,  
karg. Genussmittel gab es nur noch auf Bezugsschein. So wurde ab  
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939 in der Gastronomie des Clubs kein reiner Bohnenkaffee mehr  
ausgeschenkt, sondern nur noch eine „Mischung“. Der „Kasinowirt“  
räumte den Mitgliedern jedoch die Möglichkeit ein, mitgebrachten  
echten Kaffee in der Küche brühen zu lassen. Dafür wurden pro 1»4  
Liter 25 Pfennig, einschließlich Milch und Zucker, berechnet. Auch  
Ansegelfeiern gab es damals noch, aber auch sie unter erschwerten  
Bedingungen. Zur Ansegelfeier 1942 in der „Gaststätte Dannenberg“  
in Heiligensee musste jeder Kamerad die 50-g-Fleischmarke mitbrin-  
gen, um am Essen teilnehmen zu können. Die Absegelfeier 1943 im  
eigenen Clubhaus wurde mit „Haustrunk“ bestritten. So nannte man  
damals die Spirituosen, die man von zu Hause mitbrachte.  
Auch die Überholungsarbeiten an den Booten litten unter der schlech-  
ten Versorgungslage. So wird berichtet, dass im Winter 1942/43 von  
den bestellten 80 kg Lacken und Farben nur 55 kg zugeteilt wurden.  
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943 verlangte die Rüstungsinspektion vom Club eine Aufstellung  
über die vorhandenen Motorboote,  
um sie notfalls für den militärischen  
Einsatz requirieren zu können.  
Vom 27. Juli bis 31. Juli 1938 fand in  
Breslau das „Reichssportfest“ (vor-  
mals „Deutsches Turn- und Sport-  
fest“) statt. Vom Joersfelder Segel-  
Club beteiligten sich die Kameraden  
Scheller, Amberg und Luther an den  
Wettkämpfen der Segler. Dabei ge-  
wann der Kamerad Günter Luther  
bei den Olympia-Jollen den Punkt-  
preis, was als besonderer Erfolg zu  
werten ist.  
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