Die ersten 25 Jahre  
Seine Entstehung verdankt der JSC weniger einem inneren Bedürfnis  
als einem äußeren, außerhalb des Segelsports liegenden Anlaß. Im  
Restaurant von Krüger in Joersfelde verkehrten im Jahre 1907 meh-  
rere junge Leute, die dort regelmäßig zusammenzukommen pÀegten.  
Der Gastwirt Krüger hatte nur eine beschränkte Schankkonzession,  
und um diese auszudehnen, brauchte er einen ständig bei ihm  
tagenden Verein. So bestimmte er die jungen Leute, die wassersport-  
lich interessiert waren, sich zu einem Klub zur PÀege des Segelns zu-  
sammenzuschließen. So wurde der JSC am Biertisch gegründet und  
trat zunächst als freie Vereinigung, noch nicht als eingetragener Ver-  
ein, ins Leben. Von den damaligen Gründern des Clubs gehören heute  
noch dem JSC die Kameraden Willi Seyring und Franz Schelenz an,  
während zwei weitere, die Kameraden F. Bath und Felix Loesch sen.  
dem Club bereits durch den Tod entrissen worden sind. Die of¿zielle  
Clubgründung ging am 14.Juli 1907 mit 10 Mitgliedern unter dem  
Namen „Segelklub Vereinigte Joersfelder Segelfreunde“ vor sich. Der  
erste Vorsitzende des Klubs war der Kam. Schmerler.  
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Die Mitglieder brachten, da es sich meist um junge Leute handel-  
te, mehr Idealismus und Begeisterung als Geld mit und so war der  
Bootsbestand des jungen Klubs sehr klein.  
Das erste Boot war die „Felicitas“ des Kam. Loesch sen., eine derbe,  
solide Klinkerjolle, der die „Samru“ des Kam. Schelenz, ebenfalls eine  
geklinkerte Jolle von 6m Länge, folgte. Der Club führte zunächst ei-  
links: Willi Seyring,  
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. Vorsitzender 1908 - 1919  
und 1922 - 1924  
rechts: Franz Schelenz,  
. Vorsitzender 1924 - 1928  
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Der Gründungsort des  
Joersfelder Segel-Clubs  
nen Stander, der dem heutigen, aber ohne Kreis und „J“ entsprach.Als  
sich herausstellte, daß dies der Stander des schon länger bestehen-  
den Segelclubs „Rhe“ in Königsberg war, wurde der heutige Stander  
gewählt. Über die ersten Jahre des Bestehens vermag der Chronist  
wenig zu berichten. Auf Kam. Schmerler folgte Kam. Seyring als Vor-  
sitzender. Nur langsam entwickelte sich der Club aufwärts. Nach wie  
vor wurden die Sitzungen regelmäßig im Lokal von Krüger abgehal-  
ten. Die Zahl der Jollen vergrößerte sich. Es kamen die Jollen „Sumpf-  
huhn“ des Kam. Guritz, die „Lotte“ des Kam. Wenzig, die „Forelle“ der  
Gebr. Fisch und weitere hinzu. An die Anschaffung von Kreuzern war  
damals noch nicht zu denken. Interessant ist, daß schon damals Boo-  
te auf dem Grundstück instandgesetzt wurden, auf dem sich heute  
unser Bootsschuppen be¿ndet. Im Jahre 1909 nimmt der Club den  
Namen „Joersfelder Segel-Club“ an, den er noch heute führt. Das  
sportliche Selbstbewußtsein der auf die Zahl 20 angewachsenen Mit-  
glieder war unterdessen so gestiegen, daß der Club in diesem Jahre  
den Antrag auf Aufnahme in den „Deutschen Segler-Verband“ stellte.  
Damals war der Verband der alleinige Repräsentant des deutschen  
Segelsports, hatte sich aber lediglich die PÀege des Rennsportes zur  
Aufgabe gesetzt. Er wollte auf deutschen Gewässern Segelregatten  
nach einheitlichen Grundsätzen zur Durchführung bringen. Ein An-  
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schluß an den Verband konnte dem jungen Club in sportlicher Bezie-  
hung nur dienlich sein. Bisher hatte man sich auf interne Regatten  
beschränkt. Aber wider Erwarten zeigte der Verband die kalte Schul-  
ter. Zum Verbandsverein waren die „Joersfelder“ noch zu jung und zu  
klein. Sie wurden an den bereits im Verband aufgenommen Segelclub  
Frithjof“ verwiesen, mit dem schon freundschaftliche Beziehungen  
bestanden. Der Club mußte sich also allein vorwärts bringen und hat  
dies auch in den nächsten Jahren mit Erfolg getan.  
Inzwischen hatte die zunehmende Ausdehnung des Segelsports, ins-  
besondere auf den Berliner Gewässern, neue Wünsche und Forde-  
rungen zu Tage treten lassen. Da der Deutsche Segler-Verband nach  
wie vor ausschließlich Regattasport pÀegte, die Unterhaltung inter-  
nationaler Beziehungen zu seiner Spezialaufgabe machte und zudem  
stark repräsentativen Charakter trug, wurde der Ruf nach einer Or-  
ganisation immer lauter, die auch die Fahrtensegelei und die PÀe-  
ge eines nationalen Regattasports auch auf Binnengewässern in ihr  
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Programm aufnehmen sollte. So kam es auf Betreiben Robert Höfers  
vom „Seglerklub Oberspree“ im Jahre 1912 zur Gründung des „Deut-  
schen Segler-Bundes“. Zu seinen Mitbegründern darf sich der JSC,  
verkörpert in den Namen Seyring, Schelenz und Schmidt, zählen. Mit  
dem Eintritt in den „Bund“ setzte eine starke Aufwärtsbewegung des  
Clubs ein. Die Mitglieder betrachteten es als eine EhrenpÀicht, sich an  
allen Bundesregatten zu beteiligen. Dieses Bestreben sicherte dem  
Club bald eine hervorragende Stellung im Bunde.  
Das Jahr 1912 sollte aber noch ein weiteres bedeutsames Ereignis für  
die Entwicklung des Clubs bringen, seine Vereinigung mit dem Segel-  
club „Union“. Im Jahre 1912 tauchte zum ersten Male der Gedanke  
des Zusammenschlusses von Union mit dem Joersfelder Segel-Club  
auf. Beide Vereine hatten bisher zwar gesellschaftliche Beziehungen  
miteinander gepÀogen, waren aber sportlich bis auf einige Freund-  
schaftsregatten nur wenig zusammengekommen. Die sinkende Mit-  
gliederzahl von Union - es waren jetzt nur noch 19 Mitglieder vorhan-  
den, ferner die Schwierigkeiten, die die Wasserbau-Inspektion der  
Errichtung eines Steges vor dem Clublokal in Tegelort machte, ließen  
einen Zusammenschluß mit dem aufstrebenden Joersfelder Segel-  
Club vorteilhaft erscheinen. Beide Clubs zusammen hatten eher Aus-  
sicht, den beim einzelnen Club noch in ferner Zukunft liegenden Plan  
eines eigenen Clubgrundstückes und Clubhauses zu verwirklichen. In  
der Sitzung des SC Union vom 5. September 1912 wurde der Zusam-  
menschluß mit den Joersfeldern beschlossen. Zwar gab es verein-  
zelte Außenseiter, die gegen den Anschluß waren, aber die Mehrheit  
sah die Vorteile ein. Man gab jedoch dem Vorsitzenden Quast auf  
den Weg, peinlich darauf zu achten, daß die alte Tradition von Union  
nicht gänzlich in dem neuen Club untergehen möge. Nachdem der  
Joersfelder Segel-Club ebenfalls den Zusammenschluß beschlossen  
hatte, fand am 12. September 1912 die erste gemeinsame Sitzung  
beider Clubs statt. Zur Debatte stand zunächst die Frage des Na-  
mens und des Standers. Man einigte sich nach lebhafter Rede und  
Gegenrede schließlich auf den Namen „Joersfelder Segel-Club Union“  
und trug damit den früheren Namen beider Clubs Rechnung. Als sich  
später herausstellte, daß der neugewählte Name und Stander bereits  
von einem Weseryachtclub geführt wurde, ging erneut ein erbitterter  
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Kampf um Namen und Stander los. Schließlich nahm man den al-  
ten Namen „Joersfelder Segel-Club“ mit dem heutigen Stander an.  
Damit hatte Union Name und Stander vor dem JSC gestrichen. Das  
bedeutete für die Unionisten unter den Mitgliedern einen schweren  
Verzicht, da sie damit äußerlich jede Erinnerung an ihr früheres Be-  
stehen verschwunden sahen. Aber gleichzeitig stellte dieses Opfer  
ihrer Entsagung das beste Zeugnis aus und ehrte sie. Im Winter 1912  
fanden sich die Mitglieder, damit der Zusammenhalt in der stillen Zeit  
nicht verloren ging, regelmäßig bei einem Stammtisch in der Braue-  
rei Königstadt zusammen. Während sich im Vorsitz bisher die beiden  
Vorsitzenden des JSC und von Union vertreten hatten, wurde im Feb-  
ruar 1913 Seyring als 1.Vorsitzender des vergrößerten JSC gewählt.  
Kamerad Quast erhielt den Posten des 2.Vorsitzenden. Der Stander  
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des Clubs wurde jetzt in Joersfelde, im Lokal von Krüger, und gleich-  
zeitig in Tegelort gehißt, wo man das bisherige Clubzimmer von Union  
beibehielt.  
Zu der damaligen Zeit war es für in Berlin wohnenden Mitglieder nicht  
so einfach wie heute, von Berlin aus den Club aufzusuchen. Eine Fahrt  
nach Joersfelde oder Tegelort kostete viel Zeit und konnte unter Um-  
ständen mühevoll werden. Mit der Straßenbahn gelangte man nur  
bis Tegel. Für den weiteren Weg war man auf die Wasserverbindung  
angewiesen. Der Dampferverkehr der Stern-Gesellschaft setzte aber  
erst mit dem Himmelfahrtstage ein. Vorher und im Winter blieb nur  
der zwar schöne, aber anstrengende Marsch auf Schusters Rappen  
durch den Tegeler Forst übrig, der über eine Stunde erforderte. Kos-  
tete die Dampferfahrt vor dem Krieg von Tegel nach Tegelort bereits  
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0 Pfennig, so wurde mit der Inbetriebnahme von Motorbooten die  
Fahrt billiger. Der Konkurrenzkampf zweier Unternehmer bewirkte,  
daß man schließlich für 5 Pfennig mit dem Motorboot nach Tegelort  
gelangen konnte. Die Verkehrsverhältnisse besserten sich, als im  
Jahre 1912 durch die Gemeinde Heiligensee eine Straßenbahnlinie  
von Tegel nach Tegelort eröffnet wurde. Es war allerdings ein Ge-  
päckgeschwindmarsch vonnöten, mit dem die an der Endhaltestelle  
der Berliner Straßenbahn in Tegel ankommenden Fahrgäste zu der  
Abfahrtsstelle der Tegelorter Straßenbahn eilten. Wer am schnellsten  
rennen konnte, bekam noch einen Sitzplatz. Nach der Eingemeindung  
Tegelorts nach Berlin wurde die Straßenbahn durchgelegt und damit  
eine schnelle und bequeme Verbindung zum Club geschaffen.  
Auch das Jahr 1914 sah Seyring mit Quast als Stellvertreter an der  
Spitze des Clubs. Die drohende Kriegsgefahr warf im Sommer 1914  
noch keinen Schatten auf das sportliche Leben des JSC. Dieses ging  
langsam, aber rüstig aufwärts. Dann kam der Krieg und mit ihm er-  
losch jede Clubtätigkeit. Am 22.Oktober 1914 fand die letzte Sitzung  
während des Krieges statt, in der die Beitragsfreiheit für alle im Heeres-  
dienst stehenden und erwerbslosen Kameraden beschlossen wurde.  
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914  
Das Clubinventar wurde den bewährten Händen des Kameraden Mohr  
anvertraut, der diese Aufgabe durch die lange Kriegsdauer hindurch  
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vorbildlich erfüllte. Er fand sogar  
Zeit, sich um die zu dauerndem  
Sommer- und Winterschlaf ver-  
urteilten Boote der Kameraden  
zu kümmern. Glücklicherwei-  
se kamen die Clubboote um die  
drohende Fortnahme der be-  
reits beschlagnahmten BleiÀos-  
sen herum. Verödet lag jetzt die  
Oberhavel da. Kein Wimpel, kein  
weißes Segel Àatterte auf der  
blauen Fläche. Die Verteidigung  
des Vaterlandes ließ für frohen  
Segelsport keine Zeit.  
Der JSC mußte im Kriege den Tod  
der Kameraden Arthur Schmidt,  
Oskar Falck, Karl Pawelzik und  
Walter Lorenz betrauern, die ihr  
Leben für die Heimat ließen. Wir  
haben sie durch einen Gedenk-  
stein in unserem Clubgarten ge-  
ehrt, der ihre Namen trägt.  
Ehre ihrem Andenken!  
Das of¿zielle Wiedererwachen des  
Clubs aus der Starre der Kriegs-  
zeit fand am 14. Januar 1919 in  
einer Sitzung statt, zu der sich  
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die der Fahne treu gebliebenen und aus dem Kriegsdienst heimge-  
kehrten Mitglieder versammelten. Man legte ein Art Rütlischwur ab  
und gelobte sich, mit allen Kräften am Wiederaufbau des Clubs tätig  
zu sein. Den Vorsitz übernahm Kamerad Werner, während man den  
Kameraden Quast zum Ehrenvorsitzenden wählte. Mit dieser Tagung  
begann eine Epoche, auf die der Club mit berechtigtem Stolz zurück-  
blicken kann. In den Jahren 1919 bis 1921 erstand unser schönes  
Anwesen mit dem Clubheim, der Hafenanlage und dem Bootsschup-  
pen.  
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Schon 1919 bot sich dank der aufopfernden Bemühungen der Kame-  
raden Quast und Seyring Gelegenheit, den bereits vor dem Kriege  
gehegten Wunsch nach einem eigenem Clubheim zu verwirklichen.  
Da der Club über eigenes Kapital nicht verfügte, wurde eine G.m.b.H.  
mit einem Stammkapital von 40.000 Mark gegründet. Die Gesell-  
schafteranteile wurden aus Mitgliederkreisen aufgebracht. Nicht ge-  
nug kann der hierin sich ausdrückende Idealismus dieser Kameraden  
gerühmt werden, da auf eine Verzinsung des hingegebenen Geldes  
kaum gerechnet werden konnte.  
Die G.m.b.H. erwarb das Grundstück Roonstraße 19 in Tegelort, das  
sich, am Wasser gelegen, besonders gut für die Zwecke des Clubs  
eignete. Das daneben gelegene unbebaute Grundstück Roonstraße  
Arbeiten vor dem neuen Boots-  
schuppen mit Slipbahn  
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8 wurde erst später für den Club erworben. Unter dem Vorsitz des  
für 1920 wiedergewählten Kameraden Werner konnte im Frühjahr  
920 die Einweihungsfeier und Standerhissung vor sich gehen. Aber  
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noch viel war zu tun. Das Gebäude war zum Teil von Mietern bewohnt,  
die infolge der Wohnungsnot und Zwangswirtschaft ein anderes Un-  
terkommen nicht ¿nden konnten und geduldet werden mußten. Noch  
waren keine Einrichtungsgegenstände, kein Casino vorhanden. Aber  
die Opferwilligkeit der Mitglieder trug Stück für Stück zusammen.  
Bald konnte die Clubgeselligkeit im eigenen Heim gepÀegt werden.  
Doch weitere wichtige Aufgaben harrten der Mitglieder.  
Kaum war der JSC ins eigene Haus eingezogen, da wurde schon mit  
dem Bau der von Kameraden Quast projektierten Hafenanlage be-  
gonnen. Während die Eckdalben von der Sterngesellschaft und die  
Grundpfähle von den Pionieren gerammt wurden, schufen die Mitglie-  
der in eigener Arbeit mit vorbildlichem Eifer den gesamten Bohlen-  
belag. Auch den Transport der im Walde aufgekauften und gefällten  
Bäume führten sie allein durch. Jede freie Stunde wurde dem Aufbau  
der Hafenanlage gewidmet und in dieser Zeit war der Club in des  
Wortes wahrster Bedeutung eine einzige Familie. Nie ist der Zusam-  
menhang unter den Kameraden inniger gewesen als damals.  
Im Jahre 1921 wurde die Aufbauarbeit weiter fortgesetzt, nachdem  
inzwischen die notwendigen Mittel durch Ausgabe von Spareinlagen  
aufgebracht worden war. Die Veranda, die sehr baufällig war, wurde  
erneuert und der Kellerraum als Gaststätte ausgebaut, wobei sich  
Kam. Schäfer hervorragend betätigte. Sodann wurde das Grundstück  
Roonstraße 18 hinzugekauft und damit das Clubgelände vorteilhaft  
abgerundet.  
Nun hatten die Joersfelder Platz, um den inzwischen dringend not-  
wendig gewordenen Bootsschuppen errichten zu können. Da mit den  
vorhandenen Mitteln sparsam umgegangen werden mußte, wurde  
die zum Abriß gestellte alte Badeanstalt in Tegelort und ein früherer  
Munitionsschuppen auf der gegenüberliegenden Havelseite aufge-  
kauft. Die Mitglieder ließen es sich nicht nehmen, den Abriß selbst  
vorzunehmen und schreckten nicht einmal vor Nachtwachen in Zelten  
zurück, um Diebstähle an dem damals so kostbaren Holze zu verhin-  
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dern. Auf hochbeladenen Pontons brachten sie sodann die abgeschla-  
genen Balken und Bretter zum Clubgrundstück, wobei sich häu¿g  
gefährliche Situationen ergaben. Und jetzt begann ein eifriges Sägen  
und Hämmern, bis schließlich zur allgemeinen Befriedigung unser  
Bootsschuppen ohne den heutigen Zusatzbau entstand. Und wieder  
durften sich die Kameraden den Hauptanteil hieran selbst zumessen.  
Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle das Wirken der Kameraden  
Seyring und Quast bleiben, die unermüdlich die Leitung dieser Arbei-  
ten übernahmen, immer von neuem den Eifer unter den Mitgliedern  
anstachelten und keine Mühe und Zeit scheuten. An die Errichtung  
des Bootsschuppens schloß sich die Anlage eines Slips an und damit  
war der Club von fremden Werften und Liegeplätzen unabhängig ge-  
worden.  
In gleichem Schrittmaß bewegte sich der sportliche Aufstieg. Der auf  
diesem Gebiet sehr rege Kamerad Schelenz führte im Winter 1920/21  
die Beaufsichtigung eines Serienbaues von 6 Booten durch und schuf  
damit dem Club wirkliche moderne Klassenfahrzeuge, die sich rege  
an allen Vereins- und Bundesregatten beteiligten.  
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Bei dem Erwerb des Clubgrundstücks mußte ein Übelstand in Kauf  
genommen werden, der darin lag, daß ein Streifen des Ufergeländes  
für den öffentlichen Verkehr freigehalten werden mußte. So sehr man  
auch das Interesse des Publikums an einer Uferpromenade anerken-  
nen muß, so machte sich diese Trennung zwischen Clubgrundstück  
und Clubhafen doch störend bemerkbar. Dieser Umstand führte im  
Sommer 1921 erstmalig zur Errichtung einer dauernden Nachtwache,  
die von Mitgliedern gestellt wurde, um die Sicherheit des Bootsmate-  
rials gegen Diebstähle zu gewährleisten. Auch hierbei zeigte sich die  
Opferwilligkeit der Kameraden für ihren geliebten Sport im besten  
Lichte; denn nicht immer waren die Nächte milde, oft prasselte ein  
Dauerregen herunter oder Nachtkühle ließ die nach dem warmen La-  
ger sich sehnenden Glieder schauern. Die wachsenden Schwierigkei-  
ten der Wachausübung durch Mitglieder, die zumeist im beruÀichen  
Leben standen, führten schließlich in der Saison 1925 dazu, diese  
von bezahlten Kräften ausüben zu lassen. Mit der Saison 1928 ¿el die  
Wache ganz fort.  
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In den Jahren 1921 bis 1923 hatte der Club schwer mit den InÀati-  
onserscheinungen zu kämpfen. Die Beiträge mußten schließlich mo-  
natlich neu festgesetzt werden. Trotzdem stieg die Mitgliederzahl von  
Monat zu Monat. Im Juli 1922 wurde das 100. ordentliche Mitglied  
aufgenommen und die Zahl der Fahrzeuge stieg auf 51. Für 1922 gab  
Kam. Werner den Vorsitz an Kam. Seyring ab, der dieses Amt auch  
Nach einer Sitzung im Weißen Saal  
der Germania Säle  
1. Reihe oben:  
Wenzig, Lücke, Seyring, Schobert,  
Eisen, Schumann, Führer,  
Skutsch jun., H. Schmidt jun., Mohr  
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923 und 1924 bekleidete.  
Über der regen Regattabeteiligung wurde in diesen Jahren das ge-  
sellschaftliche Clubleben nicht vernachlässigt. Besonders der rührige  
Vorsitzende Seyring war es, der mit nie versagender Fröhlichkeit im-  
mer wieder die Kameraden zusammenbrachte und den gemeinsamen  
Veranstaltungen zuführte. Unvergessen werden allen Teilnehmern die  
Fahrten des An- und Absegelns bleiben, die meist nach Papenberge  
oder Heiligensee führten und oft so feuchtfröhlich endeten, daß auf  
2. Reihe:  
Rademann, Seiritz, Schäfer, Ma-  
thes, Hannemann, Flick, Jeromin,  
Freitag  
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Schleppzug nach Oberspree  
der Rückfahrt bisweilen Zickzackkurse eingeschlagen wurden. Die  
Not der Nachkriegszeit war damals nicht so spürbar. Die Gemüter  
waren sorgloser und unbeschwerter und die Trinklieder bei den ge-  
meinsamen Kommersen kamen freier aus den Kehlen. Schöne Erin-  
nerungen bilden auch die Waldfeste der damaligen Zeit, bei denen die  
Kameraden mit ihren Booten die Havel hinaufzogen, einen idyllischen  
Lagerplatz suchten und mit ihren Damen ein lustiges Lagerleben bei  
Bier und Würstchen aufführten. Damals waren die Havelufer, beson-  
ders auf der Spandauer Seite, an den Vormittagen noch menschen-  
leer. Damals konnten ohne lästige Zuschauer noch Gesellschaftsspie-  
le veranstaltet, Blinde Kuh und Plumpsack gespielt werden. Damals  
gab es noch keine Wochenendbewegung, kein Zeltleben, keine Padd-  
lermassen wie heute. Damals gehörte die Havel und ihre Ufer noch  
allein den freien Seglern.  
In diesem Zusammenhang müssen auch die sommerlichen Garten-  
feste erwähnt werden, mit denen die Joersfelder eine gewisse Be-  
rühmtheit erwarben. Das ausgedehnte Clubgrundstück eignete sich  
hervorragend zur Abhaltung solcher Feste.  
In den Jahren 1921 bis 1926 konnte es sich der Club noch leisten,  
bekannte Militärkapellen zu engagieren, die schon am Nachmittag  
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ihre Märsche und Weisen erklingen ließen, während sich die Mitglie-  
der und ihre Gäste unter den dichten Kastanien des Clubgartens bei  
Kaffee und Kuchen wohl sein ließen. Korsofahrten der Motor- und  
Segelboote vor dem festlich geschmückten Garten, Wassersportspie-  
le, Lanzenstechen und andere Belustigungen, zu denen der benach-  
barte Kanuklub Borussia seine Mithilfe lieh, schufen prächtige Bilder.  
Wenn abends die farbigen Lampions aufÀammten und den Garten  
in bunte Lichter hüllten, erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt.  
Den Abschluß solcher Feste bildete regelmäßig ein Ball in einem be-  
nachbarten Lokal. In den letzten Jahren, als die Not Einschränkungen  
erforderte und die Kapellen kleiner wurden, wurde der Abschluß des  
Festes in unserem ausgeräumten und geschmückten Bootsschuppen  
verlegt, was der Gemütlichkeit keinen Abbruch tat.  
Ausgelassene Fröhlichkeit  
beim Waldfest des JSC  
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Die Aufzählung der festlichen Veranstaltungen des Clubs wäre unvoll-  
ständig, wenn wir nicht auch der stimmungsvollen Weihnachtsfeiern  
Erwähnung tun wollten, die alljährlich an einem der Feiertage statt-  
fanden. Im engsten Kreise fanden sich da die Mitglieder mit ihren  
Kindern zusammen, um gemeinsam Bescherung zu halten.  
Wenn hier das elektrische Licht erlosch und auf allen Tischen die  
Wachskerzen auÀeuchteten, wenn Kamerad Quast im langwallenden  
Barte oder Kamerad Schobert auf der Bühne erschienen ihre Ka-  
puzinerpredigten an Kleine wie an Große richteten, und schließlich  
die zusammengeströmten Gaben aus dem großen Sacke verteilten,  
herrschte echte Weihnachtsstimmung.  
Mit Ende des Jahres 1922 war die Mitgliederzahl auf den Rekordstand  
von 119 gestiegen. Jetzt war  
die Zeit gekommen, die Last der  
G.m.b.H., die nur auf einem be-  
schränkten Kreise von Mitgliedern  
ruhte, auf breitere Schultern zu  
verteilen. Es wurde eine Umlage  
beschlossen, die als Baufonds zur  
Ablösung eines großen Teiles von  
G.m.b.H.-Anteilen verwendet wur-  
de. Ein großer Teil der Kameraden  
stellte auch in selbstloser Weise  
seine Anteile dem Club zur Verfü-  
gung. Damit bekam der Club die  
überwiegende Mehrheit der An-  
teile in seine Hand und entzog die  
Die „Stipper“ des Kameraden Max  
Mothes an der Uferpromeade vor  
der Sechserbrücke in Tegel  
G.m.b.H. allen privaten Bestrebungen. Gleichzeitig wurde erreicht,  
daß die zahlreichen neuen Mitglieder ihr ScherÀein zu dem großen  
Werk der Schaffung eines Clubheimes, des Hafens und Schuppens  
beitrugen. Mit der Erhöhung der Mitgliederzahl in den Jahren 1922 bis  
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924 hielt die sportliche Entwicklung gleichen Schritt. Der Joersfelder  
Stander war auf allen Bundesregatten stark vertreten.  
Der Club machte damals sportlich eine Glanzperiode durch. Un-  
vergessen wird das Andenken an Kam. Loesch jr. bleiben, der auf  
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Muckerle“, L 7, die erste Bundesmeisterschaft holte und sich mit  
Kam. Schelenz, dem Sieger in unzähligen Regatten, die Lorbeeren  
teilte. Wem steigen nicht weiter Erinnerungen an Kam. Max Mothes  
mit seinem unbesiegbaren „Stipper“, an Hans Werk mit „Pandora“,  
an Max Hoppe mit „Frechdachs“ und an Weinspachs „Heti“ auf. Sie  
alle sorgten dafür, daß der JSC überall, wo er auftauchte, geachtet,  
aber auch gefürchtet wurde. Wer erinnert sich nicht weiter der Re-  
gattakommission der damaligen Jahre, in der als ruhende Pole in der  
Erscheinungen Flucht die Kameraden Skutsch sen. und Rietsch ihren  
Mann standen. Besonders Kam. Skutsch sen., unser „Papa“, war es,  
der bis zum heutigen Tage der Regattasegelei sein Hauptinteresse  
zuwandte und neben Kam. Amberg organisatorisch tätig war.  
1925  
In gleichem Maße wie die SeglerÀottille wuchs auch die Zahl der Mo-  
torboote. Anfangs von den Seg-  
lern ungern gesehen, verstanden  
es die Eigner doch bald, sich dem  
seglerischen Hauptinteresse ein-  
zuordnen. Bei Regatten, wenn sie  
die Wettfahrtkommission an Ort  
und Stelle brachten, bei Flauten,  
wenn sie einen stilliegenden Seg-  
ler in Schlepp nahmen, wurden  
sie sehr geschätzt. Später kam es  
sogar zur Bildung einer eigenen  
Motorbootsabteilung unter einem  
Obmann.  
Clubhafen am Abend  
Im Winter 1925 mußte sich der  
Club zu seinem Bedauern dazu  
entschließen, dem Deutschen  
Segler-Bund, dem er so viele Jah-  
re mit Hingabe gedient hatte und  
an dessen Gründung er hervorra-  
gend beteiligt war, den Rücken zu  
kehren. Die Gründe lagen in der  
damaligen Leitung des Bundes,  
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